Aktueller Spritwahnsinn an den Zapfsäulen

Viagra bekommt Konkurrenz. Wer sich in den Erregungszustand versetzen will, fährt einfach tanken. Spätestens an der Kasse ist die Ganzkörperdurchblutung mit Speed unterwegs. Der Preis, dein Stimmungsturbo. Allerdings verdichtet er Eigenschaften wie Zorn, Ohnmacht oder Gelüste in Richtung Robin Hood oder Zoro.

Aber wer sind die Gegner?
An der Spitze der Verdächtigen der Staat. Laut Mineralölkonzerne ist er der Preistreiber Nummer Eins.
Doch das ist ein Ablenkungsmanöver!
Der Staat kann überhaupt keinen Preis operativ treiben. Er ist zwar Hauptabkassierer, aber das hat er per Gesetz schon lange vorher festgelegt. Und so kassiert er über seine Energiesteuer und die Mehrwertsteuer, die witziger Weise auch auf den Steueranteil erhoben wird, also ein Doppelwhopper, mit Hand aufhalten den größeren Teil vom Kuchen.
Aber das ist ja nicht das aktuelle Problem, wir waren bei der Preistreiberei. Und die geht anders.

Der deutsche Markt wird von fünf Mineralölkonzernen beherrscht. Die bestimmen den Preis und zwar nicht über den Wettbewerb sondern im abgestimmten Gleichschritt. In der Regel zeigen Shell oder Aral auf ihren Tankstellenanzeigen was der Tag zu bringen hat, die anderen schreiben ab und im Abstand von drei Stunden sind alle auf Augenhöhe. Änderungen am Tag erfolgen im gleichen Lemmingstil.
Die Begründung, das Erdöl, die hohen Einkaufspreise müssen weitergegeben werden.

Das ist jedoch die Geschichte vom Hottehü.
Zum einen ist der Sprit an der Tanke schon mal längst eingekauft, aktuelle Rotterdampreise spielen keine Rolle für vorhandenes Benzin an der Tankstelle, es betrifft bestenfalls die Preise der neuen Produktion. Zum anderen, bei wem wird denn eingekauft?
Richtig, die Mineralölkonzerne kaufen bei sich selber. Sie fördern das Erdöl und die Raffinerien haben sie zufällig auch. Sie sind also Opfer ihren eigenen Erdölpreise?

Nein, die Erdölpreise haben ein Eigenleben, dass an der Börse bestimmt wird. Das hat nichts mit Nachfrage zu tun, sondern mit Wetten. Völlig abgekoppelt von der Wirtschaft werden Billionen Dollar auf Preisentwicklungen von Produkten gewettet. Entsprechend bewegen sich die Kurse bzw. werden in die genehme Richtung gebracht. Hier verdienen die Fonds und Banken dank Luftbuchungen und die Mineralölkonzerne kassieren da schon mal mit, denn ihre Kosten bleiben die gleichen.
Daneben zeigen Untersuchungen, das Erdölpreisentwicklung und Benzinpreis nicht den gleichen Ausschlag haben. Was wir schon ahnten stimmt, der Benzinpreis steigt schneller und weigert sich beim sinken das gleiche Tempo wie Erdöl aufzunehmen.

Die Lösung?
Wird es nicht geben, aber vernünftige Einschränkungen. In Australien müssen die Mineralölkonzerne, jeder für sich, ihren Preis für den nächsten Tag anmelden. Vorteil, der Preis gilt für den ganzen Tag und theoretisch weiß keiner was der andere bietet. Aber auch praktisch würde auffallen, wenn alle den gleichen Preis einreichen. Und natürlich den Spritverbrauch senken. Aber das sollen wir ja schon alle seit Jahren…

Bild: © nucro – Fotolia.com

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